Paradigmenwechsel in der Automobilbranche: Wer gewinnt das Rennen?

29.08.2016  • Presse

München, 29.08.2016. Das Produkt Auto wird sich in Zukunft stark verändern. Immer mehr Kunden möchten Umgebungsinformationen sowie Einkaufsmöglichkeiten im Fahrzeug abrufen. Die Nachfrage nach solchen digitalen Dienstleistungen verändert die Autobranche erheblich und stellt Automobilhersteller vor verschiedene Herausforderungen. Neue Wettbewerber wie Google oder Apple kommen auf den Plan und übertragen ihre Stärken wie Innovationsgeschwindigkeit und digitale Expertise auf die Branche. Auf welche konkreten Marktveränderungen müssen sich Automobilhersteller in Deutschland also vorbereiten? Die Berater Marius Wussmann und Michael Matthias Strelow von der Unternehmensberatung Iskander Business Partner raten in ihrem neuen Whitepaper „Digitalisierung und Vernetzung in der Automobilindustrie“ dazu, auf digitale Produkte zu setzen und die Datenhoheit zu behalten.

Obwohl erste Marktvorstöße der neuen Wettbewerber wie das iCar oder die neuen TESLA-Fahrzeuge die Automobilhersteller in Aufruhr versetzten, halten diese noch an Altbewährtem fest. Doch der Gesamtumsatz aus dem klassischen Fahrzeugverkauf stagniert, da sich die Nachfrage des Kunden stetig verändert. „Nicht mehr der Besitz eines Fahrzeuges, sondern der Wunsch nach Mobilität und zugehörigen Services ist gefragt“, verdeutlicht Michael Strelow, Berater bei Iskander Business Partner. „Diese Entwicklung wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen.“ Die Karten werden neu gemischt und der Umsatz wird verstärkt auch aus anderen Geschäftsbereichen kommen. „Automobilhersteller müssen sich daher davon lösen, ausschließlich produkt- und technologiegetrieben zu denken“, sagt Michael Strelow. „Es ist sinnvoll, fahrzeugunabhängige Produkte und Dienstleistungen anzubieten sowie Fahrzeugdaten zu gewinnen und zu analysieren. Der Kunde der Zukunft möchte auch im Auto nicht auf Apps verzichten und während der Fahrt das Internet nutzen.“

„Eine weitere Veränderung wird sein, dass der Anteil der Informations- und Kommunikationstechnologie im Fahrzeug ansteigen wird“, fährt Marius Wussmann, Berater bei Iskander Business Partner, fort. Es kommen zunehmend IT-Systeme zum Einsatz, die mit dem Auto verbunden sind und schon jetzt steigt die Anzahl der gebauten Neuwagen, die mit dem Internet verknüpft sind. Auch Gebrauchtfahrzeuge lassen sich in Sachen Digitalisierung nachrüsten. Das führt dazu, dass die Anzahl an „Connected Cars“ auf deutschen Straßen noch weiter steigen wird. „Das ist ein wichtiger Treiber der Digitalisierung in der Automobilindustrie, da sich andernfalls Autos nicht mit ihrer Umwelt vernetzen und digitale Geschäftsmodelle nicht implementiert werden könnten“, ergänzt Marius Wussmann.

Herausforderungen für die Automobilhersteller

„Der Kunde ist König“ – dieses Motto scheint zeitgemäßer als je zuvor, denn die Bedürfnisse des Kunden geben die Veränderungen in der Fahrzeugbranche vor. Der Fokus liegt dabei auf den Bereichen Kommunikation, Unterhaltung und Produktivität. In Zukunft werden Technologie-Features wichtiger sein, als der eigentliche Besitz oder auch die Marke eines Autos. Herausfordernd ist dabei die Asynchronität der Entwicklungszyklen eines Produkts. Die Digitalisierungsriesen bringen viel schneller ein neues Smartphone auf den Markt, als Automobilhersteller zum Beispiel ein neues Auto oder Feature für das Auto entwickeln. Dadurch können die neuen Wettbewerber zeitnah auf Kundenwünsche und Marktveränderungen reagieren. „Dieser Vorteil setzt die Automobilhersteller ziemlich unter Druck. Sie sollten sicherstellen, dass der Kunde immer eine aktuelle Software im Fahrzeug bereitgestellt bekommt“, sagt Michael Strelow.

Was gilt es jetzt zu tun?

Wichtig sind strategische Partnerschaften, um sich dadurch nach und nach ein Netzwerk aufzubauen. In Frage kommen Partner aus der Informations- und Kommunikationsbranche, an die die Automobilhersteller digitale Kompetenzen dauerhaft abgeben können. „Eine Partnerschaft mit der Telekom könnte beispielweise eine Zusammenarbeit in Sachen Parkraumbewirtschaftung oder Ladeinfrastruktur ermöglichen“, erklärt Marius Wussmann. „Doch es geht auch darum, die Daten, die über das Auto gewonnen werden, innerhalb eines Business-to-Business-Modells zu nutzen. So lassen sich sinkende Umsätze kompensieren, beispielsweise, indem Daten an Vertragspartner wie Versicherungen weitergegeben werden“, sagt Michael Strelow. „Dadurch können die Hersteller die Datenhoheit erobern. Für die Kunden sind sie idealerweise ein vertrauensvolles Datenhub, dem man guten Gewissens persönliche Daten weitergeben kann.“ Wenn Partnerschaften für Automobilhersteller nicht in Frage kommen, sollten eigene, digitale Dienste entwickelt werden. Kunden sind derzeit bereit, für Konnektivitäts-Dienstleistungen im Fahrzeug Geld auszugeben. Dadurch können Automobilhersteller den Wettbewerbern die Stirn bieten und zum Dreh- und Angelpunkt in der mobilen Lebenswelt des Kunden werden.

Je nach Ausgangsposition ist es ratsam, seine Kernkompetenz – das Auto zu produzieren– beizubehalten und digitale Bereiche auszulagern. Es kann aber auch möglich sein, das traditionelle Portfolio weiter auszubauen und durch digitale Zusatzangebote auszudehnen. Die letzte Möglichkeit, mit der Digitalisierung in der Fahrzeugbranche Schritt zu halten, besteht darin, den Kunden in seinem Lebenszyklus weiter als bis zur Schlüsselübergabe zu begleiten und so zum 360-Grad-Automobilhersteller zu werden.

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